Volkstrauertag in Mannheim

Wann lässt der VDK das Wehrmachts-Gedenken? Wenn es genügend „Gefallene“ der Bundeswehr gibt?

Wie dem „Mannheimer Morgen“ bebildert zu entnehmen ist, marschierten bei der Hauptveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) die Reservisten-Reste der Bundeswehr wieder vorneweg, als Rechtsnachfolger und in der Traditionslinie der   Wehrmacht. Bei der Veranstaltung des Arbeitskreises Entmilitarisierter Volkstrauertag dagegen sprach u.a. der 92-jährige Ludwig Baumann in einer Videobotschaft zu den ca. 90 Anwesenden über den langen Kampf der überlebenden Wehrmachtsdeserteure um Rehabilitation, die sich dem verbrecherischen Krieg entzogen hatten. Zuvor hatte Thomas Trüper für den AK Entmilitarisierter Volkstrauertag die 90-jährige Geschichte des   Volkstrauertages nachgezeichnet als eines Tages der moralischen Aufrüstung – heute für den Bundeswehreinsatz im Afghanistankrieg.  Insbesondere ging er auf die in Mannheim seit 25 Jahren geführte Auseinandersetzung um diese militaristische Zeremonie ein. Eine Kindergruppe der Falken stellte eindrucksvolle selbstgemalte Bilder zum Thema „Krieg“ vor. Marco Brenneisen erinnerte an der KZ-Gedenkstätte an den langen Weg des KZ-Sandhofen zurück in das „öffentliche Gedächtnis“ Mannheims. Der VDK hatte bei seiner nachmittäglichen Veranstaltung mit ca. 60 Anwesenden offenbar zum Befreiungsschlag gegen den Vorwurf militaristischer Gesinnung ausholen wollen. Er hatte unter dem Schirm des militärischen Zeremoniells, in dem immer vor allem der Wehrmachtssoldaten gedacht wird, offenbar Vertreter der jüdischen Gemeinde und der Sinti und Roma auftreten lassen wollen – so jedenfalls seine Ankündigung. Wie aus Kreisen des AK Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim zu hören war, hatte der VDK außerdem vergeblich versucht, auch das vor zwei Wochen eingeweihte mobile Mahnmal für die Opfer der Zwangssterilisation für seine Feierstunde „auszuleihen“. Aber auch der geplante Auftritt der beiden Gastredner klappte nicht. CDU- und   VDKKreisvorsitzender Claudius Kranz musste bekannt geben, dass die beiden angekündigten Redner trotz fester Zusage leider verhindert seien. Seit den 60er Jahren ist der VDK genötigt, das Gedenken an die „Gefallenen“ zu „ergänzen“ um das Gedenken an die Opfer des Faschismus und  von Gewaltherrschaft allgemein. Dieses Gedenken an  Täter und Opfer „in einem Aufwasch“ wurde in Mannheim von den Opferverbänden bisher noch nie unterstützt. Es ist an der Zeit, dass auf dem Mannheimer Hauptfriedhof am Volkstrauertag tatsächlich der Opfer gedacht wird. Dann kann   man über die Täter nicht schweigen. Und man sollte darüber reflektieren, ob Frieden mit militärischen Mitteln hergestellt werden kann. Dies wäre ein weiterer positiver Beitrag zur städtischen Kultur des Gedenkens.

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