“Arbeitsschutz für Lehrerinnen und Lehrer – das macht Sinn!”

Bildquelle: loop_oh at flickr.com

Der DGB Bremen und Arbeit und Leben führten Ende Oktober letzten Jahres in Bremen die 19. Arbeitsschutzkonferenz unter dem Titel „Gute Schule machen – Arbeit und Gesundheit für Lehrerinnen und Lehrer“ durch. Vorausgegangen war der Konferenz die letzte Änderung des Arbeitsschutzgesetzes 2013. In den Grundsätzen heißt es jetzt: „Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für das Leben sowie die physische und die psychische Gesundheit möglichst vermieden… wird (§ 4). Da als Beschäftigte neben Arbeitnehmern auch Beamte, (auch Richter und Soldaten) gelten, konnte in Verhandlungen mit der für Arbeitsschutz zuständigen Finanzsenatorin in Bremen erreicht werden, dass die Schulleiter als Leiter von Betrieben gelten, die Arbeitsschutzund -sicherheitsmaßnahmen umsetzen müssen (§ 2 (5). In der Folge wurde entsprechend ein Beratungsbedarf für Schulen festgestellt und einige Stellen für den Arbeitsschutz an Schulen geschaffen. Die dort Beschäftigten sollen zusammen mit den dafür verantwortlichen Schulleitern Gefährdungsbeurteilungen für die jeweils einzelnen Schule erarbeiten und entsprechende Maßnahmen einleiten. Rechtsgrundlagen sind demnach gegeben.

Wie sieht es an den Schulen aus?

Die objektive Arbeitsbelastung für Lehrer ergibt sich aus den vielfältigen Beanspruchungen, die u.a. durch Gesetze, Vorschriften usw. an den einzelnen Lehrer herangetragen werden. Die Bremer Vorschriften definieren z.B. 55 Aufgaben, die von der einzelnen Lehrkraft zu erfüllen sind. Die Arbeitszeit gehört bei den LehrerInnen zu den wichtigsten Faktoren (s. Dokument), aber auch Lärm oder Raumluftbelastungen (Trockenheit, Asbest, PCB, usw.) spielen eine wichtige Rolle. Als Beispiel werden im dokumentierten Text neun Aufgaben aus dem Bereich Arbeitszeit exemplarisch berechnet.

Als Folge der Belastungen ergibt sich die psycho-physiologische Beanspruchung des Einzelnen, schließlich das subjektive Belastungserleben.

Die weitgehende Überlastung seit vielen Jahren hat unter Lehrern dazu geführt, dass das Thema Arbeitsbelastung in den Schulen kaum eine Rolle spielt, da nur wenige noch eine Reduzierung der Belastung erwarten. Im Ergebnis geht nur eine Minderheit der Lehrer regulär in Rente/Pension und zunehmend mehr arbeiten in Teilzeit.

Arbeitsschutz für Lehrerinnen und Lehrer – wer will das durchsetzen?

Zuerst einmal die Veranstalter – sie hatten es allerdings erst in einem zweiten Anlauf geschafft, diese Konferenz durchzuführen. Vorbereitet wurde die Konferenz von DGB, Arbeit und Leben und vom Institut für interdisziplinäre Schulforschung – die Lehrergewerkschaft GEW war nur indirekt an der Vorbereitung beteiligt. Ergebnisse der Konferenz finden sich nur auf der Internetseite des DGB-Bremen. Im Internetauftritt von GEW und Personalrat Schulen war vor und nach der Konferenz kaum etwas zum Thema zu erfahren.

Die Bildungssenatorin ließ durch ihre Vertreterin auf der Konferenz die Wichtigkeit des Themas betonen und entschuldigte sich wegen der Koalitionsverhandlungen in Berlin. Ein anwesender Schulleiter empfahl individuelles Coaching gegen Stress und machte damit wohl die Position der Schulaufsicht deutlich.

Die Teilnehmer der Konferenz (über 80) dagegen versuchten, in drei Workshops Maßnahmen zum Arbeitsschutz zu erarbeiten, um Gefährdungsbeurteilungen in Angriff zu nehmen und erneut die Zeitproblematik näher zu diskutieren. Konferenzen sollen über die Schulleitungen Gefährdungsbeurteilungen beauftragen und Forderungen nach Verkürzung der Arbeitszeit zweigen sich trotz Coaching als dringend notwendig. Denn wie soll „gute Schule“ möglich sein , wenn für die Vorund Nachbereitung von Unterricht keine Zeit zur Verfügung steht?

Für die Linke zeigt sich Arbeitsschutz als eine notwendige Diskussion, denn ein Überblick macht deutlich, dass bildungspolitische Forderungen sich oft nur auf „eine Schule für alle“ und „gute Bildung“ beziehen, ohne die Frage aufzuwerfen, wie die Lehrkräfte das erreichen können sollen. Linke Politik kann ohne die Interessen von Beschäftigten im Bildungsbereich aufzunehmen, hier nicht erfolgreich waren.

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