Kambodscha: Streik für höheren Mindestlohn

Bild: Textilarbeiterinnen protestieren vor ihrer Fabrik, ILO in Asia and the Pacific at flickr.com

Über zwei Wochen streikten kambodschanische TextilarbeiterInnen für höhere Löhne. Zwei Drittel der rund 500 000 im Textilsektor Beschäftigten waren im Ausstand.

Sie gingen auf die Straße, weil sie von ihrem Verdienst nicht leben können – umgerechnet 80 US-Dollar (58 €) im Monat bekommen sie dafür, im Akkord T-Shirts, Hemden, Jeans oder Schuhe für die westliche Welt zusammenzunähen (führende globale Textilunternehmen wie Gap, H&M, Inditex, Adidas, Puma, Walmart, C&A, lassen in Kambodscha produzieren).

„Die aktuellen Löhne sind zu niedrig, damit können die Arbeiter ihre Bedürfnisse nicht decken“, sagt Ath Thorn, Vorsitzender einer Textilarbeitergewerkschaft. Der aktuelle Mindestlohn in der Textilbranche bedeute, so die Einschätzung der Gewerkschaften C.CADWU und NIFTUC, die zum Streik aufgerufen haben, Elend und Not für die Betroffenen. Gleichzeitig verstoße er gegen Artikel 104 des kambodschanischen Arbeitsrechts, in dem es heißt, „dass der Lohn jeder/s Beschäftigten einen Lebensstandard ermöglichen muss, der mit der Würde des Menschen vereinbar ist“.

Sowohl das neue Erhöhungs-Angebot (Anhebung der Löhne von 80 auf 100 US-Dollar) wie die Ankündigung, die Lohnerhöhung schon ab Februar statt ab April in Kraft zu setzen, als auch die Einschüchterungsversuche haben den Kampfgeist der Streikenden nicht gebrochen. „Wir bleiben bei unserer Forderung von 160 Dollar (116 €) und werden weiter protestieren, wenn die Regierung nicht auf die Wünsche der Arbeiter eingeht“, so Morm Nhim, Präsidentin der Gewerkschaft National Federation of Textile Union (TextilWirtschaft news, 2.1.2014).

Am 3. Januar ließ die kambodschanische Regierung eine Demonstration der streikenden Textilarbeiterinnen von der Militärpolizei angreifen. Sie schossen mit Kalaschnikows (AK 47), töteten 5 Arbeiterinnen und verwundeten Dutzende schwer.

Die Regierung hat seitdem alle Demonstrationen verboten und das Militär eingesetzt, um die Straßen frei zu bekommen. Mindestens 39 Beschäftigte sind festgenommen worden und werden an unbekannten Orten festgehalten.

IndustriALL Global Union, UNI Global Union und die International Trade Union Confederation (ITUC) haben entsetzt auf die gewaltsame Unterdrückung des Textilarbeiterstreiks durch die Sicherheitskräfte und von der Regierung unterstützte Bürgerwehren reagiert.

Die Regierung hat US $ 100 (73 €) pro Monat angeboten. Das ist vollkommen unzureichend, um den steigenden Lebenshaltungskosten gerecht zu werden.

Jyrki Raina, Generalsekretär der IndustriALL, sagte: „Das Recht, einen höheren Mindestlohn zu fordern, ist fest durch die internationale Konvention für Vereinigungsfreiheit geschützt. Kambodscha hat diese im Jahr 1999 ratifiziert, die 1987 in der ILO-Konvention verankert wurde. Die Drohungen, Verhaftungen, und die Tötung von Gewerkschaftern für die Ausübung dieses Rechts ist eine äußerst schwere Verletzung und muss verurteilt werden. Jede Förderung dieser Gewalt durch die Bekleidungshersteller muss ein Ende haben.“

Generalsekretär Philip Jennings von der UNI Global Union sagte: „In Bangladesch haben wir erlebt, wie der Wettlauf nach unten in der Bekleidungsindustrie zu Tod und Zerstörung geführt hat. Die kambodschanischen Textilarbeiter sind auch in Gefahr. Diese Welle von Protesten ist die legitime Reaktion von Arbeitnehmern, die einen fairen Lohn und menschenwürdige Bedingungen verdienen und darf nicht durch Gewalt zum Schweigen gebracht werden.“ Jennings fügte hinzu: „Die globalen Marken mit Verbindungen zu diesen kambodschanischen Fabriken haben die Verantwortung, die Standards anzuheben.“

„Kambodschas Regierung muss an den Verhandlungstisch zurückzukehren und die Forderung auf einen fairen Lohn für  Textilarbeiter  akzeptieren und die diktatorische Unterdrückung des legitimen Streiks von Arbeitern beenden. Alle Verhafteten sollten unverzüglich freigelassen werden und die Regierung muss sicherzustellen, dass die für die Morde Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“ sagte ITUC General Secretary Sharan Burrow.

Die Fabrikbesitzer haben auf den Streik mit einem „No-Streik“-Boni reagiert und Lohnanpassungen deutlich unter der Forderung der Arbeiter angeboten.

Die Arbeitgeber in der Bekleidungsindustrie exportieren jährlich für fast 5 Mrd. US-$, die Produktion wurde im letzten Jahr um über 20% erhöht.

Angesichts der brutalen Repression haben die Gewerkschaften den Streik abgebrochen und die Arbeiterinnen kehrten zurück an  ihre  Arbeit.  Sie bleiben aber weiter bei ihrer Forderung nach einer Erhöhung des Mindestlohns. Sie streiken nicht mehr, aber ihr Kampf wird fortgesetzt.

Quellen: http://www.axel-troost.de, http:// http://www.industriall-union.org  6.1.2014

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