Mannheim: Die BuGa-Verträge sind beschlossen

Ist es besonders kritisches Bewusstsein oder eine versteckte Art defätistischen Untertanengehorsams, wenn nun weiterhin der BuGa-Teufel an die Wand gemalt wird? Die vom Gemeinderat gegen FDP und ML verabschiedeten Verträge zur Durchführung einer Bundesgartenschau in Mannheim 2023 und zur Gründung einer durchführenden BuGa 23 GmbH machen Folgendes deutlich:

Die BuGa ist eine privatwirtschaftlich von den tragenden Verbänden des Gartenund Landschaftsbaus, der Gärtner, Baumschulen und Friedhofsgärtner entwickelte Marke. Sie dient der Selbstdarstellung und Werbung, kann dies aber nur, wenn für ein paar Millionen BesucherInnen auch ein Gebrauchswert geliefert wird. Diverse Wettbewerbe geben den Drive dazu ab. Die Marke definiert das Pflichtprogramm. Die Deutsche Bundesgartenschau Gesellschaft (DBG) stellt ein langjährig bewährtes Knowhow von Planung bis Marketing zur Verfügung. Die Stadt Mannheim hält trotzdem in der örtlichen BuGa GmbH Zweidrittel der Anteile. Sie schießt zu den Durchführungskosten im Laufe von zehn Jahren 6,8 Mio. Euro zu. Eine Nachschusspflicht besteht nicht. Es gibt für den Notfall genaue Ausstiegsszenarien, deren Risiko die zugesicherten 6,8 Mio. Euro nicht übersteigt. Wenn die Eintrittsgelder beispielsweise nicht im geplanten Umfang eingespielt werden können, wird dies zu einem Problem für die GmbH, im schlimmsten Fall eine Insolvenz. Die Haftung der Stadt ist jedoch beschränkt. Überschuss käme der Stadt nach Abzügen zugute.

Die Stadt und damit der Gemeinderat (wenn er die Chance nutzt) unterwerfen sich zwar den Anforderungen der Marke, können aber weitere Aspekte hinzufügen

(„Kür“). Beispielsweise ist
Fläche genug da, auf der
sich auch alternative An-
sätze sowohl gärtnerisch
als auch mit Informatio-
nen präsentieren können.
Das würde erhebliche Anstrengungen der entsprechenden Verbände und Initiativen erfordern. Aber warum soll die BuGa 23 GmbH sich dieser Option verweigern, wenn in Stadt und Region genügend Kräfte dahinterstehen? Dem im Laufe der Jahre vielleicht etwas ausgeleierten Pflichtprogramm könnte nichts Besseres als eine solche Auffrischung geschehen. Die DBG muss 150 vertraglich vereinbarte Veranstaltungen bringen, damit etwas los ist. Und das geschieht nicht mit reinen Werbeveranstaltungen einer Branche. Warum sollten weitere Veranstaltungen aus beispielsweise alternativer Sicht nicht möglich sein? Es wäre sicherlich ein Fehler, diese Chancen ungenutzt zu lassen – vorausgesetzt man hat die nötige Kraft, diese Chance zu nutzen.

Die gesamten dauerhaften Investitionen der Stadt, welche im Zusammenhang mit der BuGa aber nicht nur wegen der paar Wochen Veranstaltung diskutiert und geplant werden, sind nicht und können nicht Gegenstand der Verträge mit der DBG sein. Denn hier hat die Stadt bzw. der Gemeinderat die volle Verantwortung und Hoheit. Die Investitionen (105 Mio. Euro) müssen sich durch Nützlichkeit und Nachhaltigkeit ausweisen.

Eine interessante und erfolgreiche BuGa wird gewiss kein Selbstläufer. Es liegt aber sicher nicht an der Struktur der ausgehandelten Verträge. Die Mannheimer BuGa hat das Zeug, eine spezielle und etwas andere zu werden. Wie schon der ganze Vorlauf bisher speziell ist. Darin liegen Chancen. thomas trüper

Bildquelle: Brongaeh at flickr.com
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: