Brauchen wir SuedLink?

Im letzten Jahr stand in Schweinfurt die für den 31.5.2015 geplante Abschaltung des AKW Grafenrheinfeld bei den AKW-GegnerInnen im Mittelpunkt der Diskussion. Für viele BürgerInnen stellte sich die Frage, ob nach der Abschaltung die Versorgungssicherheit weiterhin gesichert sei. Inzwischen sind beide Fragen eindeutig beantwortet: Ja, das AKW wird termingerecht abgeschaltet und die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Jetzt ist die Frage des Rückbaus aktuell. Das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft führt deshalb am 9. Mai im Seniorenstift Augustinum eine Fachtagung mit hochkompetenten WissenschaftlerInnen durch.

Zusätzlich eskaliert jedoch der Streit um die zwei geplanten Stromtrassen nach Bayern. Bei der Süd-Ost-Trasse war von Anfang an klar war, dass dort vor allem umweltschädlicher Braunkohlestrom aus den Tagebauen in der Lausitz nach Bayern transportiert werden soll. Das stieß sehr früh auf massiven Widerstand der Umweltbewegung sowie der ortsansässigen Bevölkerung, was auch in der CSU und sogar der Bayerischen Staatsregierung zu höchst unterschiedlichen Reaktionen geführt hat. Inzwischen ist diese Trasse eher infrage gestellt.

Anders bei der weiter westlich geplanten Trasse SuedLink. Hier behaupten Bundesnetzagentur und Netzbetreiber TenneT unisono: Hier soll angeblich überschüssiger Windstrom aus dem Norden nach Bayern geschafft werden, um die durch die Abschaltung der bayerischen AKW entstehende Stromlücke zu schließen. Die betroffene Bevölkerung jedoch glaubt das nicht. Zu oft wurden die Menschen in der Vergangenheit bei der Energiepolitik von Betreibern und ihren politischen Nachbetern angelogen und betrogen.

Stromtrassen nur für den Export?

Auch ernst zu nehmende Wissenschaftler wie Prof. Dr. Jarass von der Universität Regensburg bezweifeln die offiziellen Angaben: Jarass weist nach, dass der im Norden Deutschlands produzierte Windstrom im Wesentlichen auch dort verbraucht wird. Die seiner Meinung nach seltenen Starkwindspitzen rechtfertigten nicht den Bau dieser riesigen Trassen, die immense Kosten verschlingen und die einzelnen VerbraucherInnen zusätzlich bei den Stromkosten belasten würden. Sinn mache die SuedLink nur bei gleichzeitiger Einspeisung von Kohlestrom, der aber dann hauptsächlich für den Export bestimmt sei. Die Stromlücke von etwa 5 GW durch den Ausfall der AKW kann bereits durch die „Thüringer Strombrücke“ (2 GW), die 2016/17 fertig gestellt werden soll, sowie weitere Stromleitungen aus Hessen, Thüringen und Österreich, die bereits bestehen, ausgeglichen werden.

„Braunkohlekraftwerke im Westen und im Osten ersetzen mit starken neuen Übertragungsleitungen die bayrischen Kernkraftwerke. Das ist eine technisch einfache und sichere Lösung, die aber viele kommunale und private Energiewende-Investitionen gerade in den strukturschwachen Gegenden Ostund Nordbayerns konterkariert und damit die ganze Energiewende in Bayern politisch obsolet macht. Auch deshalb haben sich alle betroffenen Landkreise strikt gegen die geplanten neuen Leitungen von Ostdeutschland nach Bayern ausgesprochen“, so Jarass. Zudem machten die Monstertrassen den Betrieb in Bayern bereits bestehender moderner Gaskraftwerke unrentabel, sodass diese abgeschaltet werden müssten. Und: Kritische Versorgungslagen seien nicht durch erneuerbare Energien bedingt, sondern durch den zunehmenden Export von Kohlestrom.

Macht SuedLink die Energiewende kaputt?

Laut Gesetz sollen erneuerbare Energien bei der Einspeisung Vorrang vor konventionellen Stromquellen haben. Das werde aber, so auch die Umweltverbände, durch die Trassenpolitik konterkariert und somit der auch aus Klimagründen gewünschte Ausund Umbau zu regenerativen Energien bebzw. sogar verhindert. SuedLink sei demnach also nicht, wie TenneT in einer Hochglanzbroschüre behauptet, die „Hauptschlagader der Energiewende“, sondern das genaue Gegenteil. Deshalb fordern Umweltbewegung wie unabhängige WissenschaftlerInnen von Betreibern und Politik erst einmal den Nachweis, dass die SuedLink tatsächlich zur Stromversorgung der bayerischen Haushalte notwendig ist. Dieser Beweis wurde bisher nicht geliefert. Auch die Bayerische Staatsregierung ist mittlerweile ins Wanken geraten und Ministerpräsident Seehofer fordert ein Moratorium, um diesen Nachweis zu erbringen, da Bayern bisher zur Überbrückung schadstoffärmeren Gaskraftwerken den Vorzug gibt.

Bild: Grohnde von atom alarm-info auf flickr.com.
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