München will „raus aus der Steinkohle“

Die Stadtwerke München (SWM) stehen als GmbH nur noch unter mittelbarer Kontrolle des Stadtrates, dennoch kann die Stadt München über den Aufsichtsrat gestaltenden Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen. In den zwei Jahrzehnten der rot-grünen Rathauskoalition – seit 2008 besteht eine Mehrheit aus SPD und CSU – verfolgten die Stadtwerke München das Ziel, sich eigene Energiequellen zu erschließen und dabei politisch Punkte als Treiber der Energiewende zu machen. Da Wasser, Wind und Sonne auf dem Territorium der Landeshauptstadt den Bedarf der Metropole bei weitem nicht decken, haben die Stadtwerke ehrgeizige Auslandsinvestments unternommen. Zum Teil in Windparks und in Sonnenenergieexperimente, ganz massiv aber auch in die Erschließung von Erdgas und Erdölvorkommen in der Nordsee. Die Beteiligungen erfolgten in der sicheren Erwartung fortwährend steigender Preise für die fossilen Energieträger. Die tatsächliche Preisentwicklung trifft dieses Engagement hart. (Siehe dazu Brigitte Wolf in der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift bzw. in MitLinks Nr. 54).

Es scheinen aber gute höhere Mächte zu walten, denn tief unter der kargen Kiesfläche, auf der die Stadt gebaut ist, liegt und fließt ein gewaltiger Vorrat an Heißwasser. Auf dem Stadtgebiet gibt es auch schon erfolgreiche Pilotprojekte, weitere Bohrungen sind geplant. Zur Zeit läuft eine stadtweite Echolotung, zusammen mit neuester Rechnertechnik soll dabei eine dreidimensionale Karte der Schichtungen entstehen, so dass man gezielte Erschließungsbohrungen niederbringen kann. Ein alter Spruch der Bergleute heißt: „Vor der Hacke ist es dunkel“. Ob die neue Technik die Erschließungsrisiken, die damit angesprochen werden tatsächlich minimiert? Die große Verschiebung bedeutsamer Faktoren – steigende Risiken bei auswärtigen Erschließungsversuchen – Entdeckung neuer Bodenschätze unter der Stadt – Minimierung des Erschließungsrisikos durch neue Technologien haben ein Szenario geschaffen, in dem politischideologische, technisch-wissenschaftlich und finanzielle Faktoren neue politische Konstellationen schaffen. Ein Bürgerbündnis tritt mit einer unternehmerischen Idee an. Die Stadtwerke suchen die Zusammenarbeit mit dieser Initiative. Es werden gemeinsame Arbeitsgruppen gebildet. Die harte blockierende Ja/Nein-Entscheidung (Raus aus …) hat einen Prozess der Arbeit am Problem eingeleitet. Verständlich, denn die Stadtwerke werden bei der Umrüstung der Versorgungseinrichtungen Geduld und Wohlwollen der Kundschaft genauso brauchen wie Rücksicht der städtischen Haushälter bei der Erhebung von Konzessionsabgaben und Haushaltsabführungen. Wir berichten weiter.

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