Gerichtsverhandlung gegen Münchner Künstler Günter Wangerin vertagt

Am 23.2. war Gerichtsverhandlung gegen den Münchner Künstler Günter Wangerin wegen einer Kunstaktion bei einem Offiziersappell vor dem Nymphenburger Schloss. Dort wurden am 27. Juni letzten Jahres über 400 junge Soldaten zu Offizieren ernannt. Knapp eine Woche vor dem Ereignis waren alle Münchner zu einer öffentlichen Feier mit Marschmusik („Des Großen Kurfürsten Reitermarsch“) eingeladen. Die Einladung wurde von der Bundeswehr jedoch einen Tag vor dem Spektakel zurückgezogen, weil sie Protestaktionen befürchtete. Günter Wangerin hatte von der Ausladung nichts erfahren und begab sich unter die vor der Tribüne wartenden Eltern der jungen Soldaten. Er stieg mit einer Maske des Bundespräsidenten Joachim Gauck auf ein kleines Podest, salutierte und rief zweimal „Habt Acht!“, da wurde er (Jahrgang 1945) – nach eigenen Angaben ohne Vorwarnung – von zwei Feldjägern zu Boden geworfen, in Handschellen gelegt und der Polizei übergeben. Wangerins Anzeige wegen Körperverletzung wurde von der Staatsanwaltschaft abgewiesen – die gewaltsame Festnahme durch die Feldjäger sei rechtmäßig erfolgt. Stattdessen erhielt er einen Strafbefehl über 2400 € wegen Hausfriedensbruch. Die beiden Feldjäger behaupten, sie hätten im Guten auf Wangerin eingeredet und ihn mehrmals davon zu überzeugen versucht, dass es doch besser sei, die Aktion nicht weiterzuführen. Erst dann hätten sie ihn „kontrolliert zu Boden geführt“ und dort unter strikter Wahrung der Verhältnismäßigkeit der Mittel zur Ruhe gebracht. Zur Gerichtsverhandlung kamen weit mehr Zuschauer als Plätze vorhanden waren – überwiegend um Günter Wangerin zu unterstützen. Die Richterin wollte zunächst alle Besucher ohne Sitzplatz des Raumes verweisen, erlaubte ihnen dann doch, auf dem Boden Platz zu nehmen. Bei der Zeugenvernehmung ging es vor allem um die Frage, ob sich Wangerin überhaupt auf dem Gelände befunden hatte, auf dem die Bundeswehr ihre geschlossene Veranstaltung durchführte. Der Feldjäger, der dies behauptet hatte, war während des Gerichtstermins in Afghanistan im Einsatz und deshalb nicht erschienen. Das Verfahren wurde daraufhin vertagt.

Liebe Freundinnen und Freunde,

Am vergangenen Samstag bekam ich ein Schreiben
des Amtsgerichts München. Es enthielt die
Mitteilung, dass das Verfahren gegen mich
eingestellt ist. Die Kosten – einschließlich An-
walt – trägt die Staatskasse. Dieser Beschluss,
davon bin ich fest überzeugt, ist (neben der
schlechten Presse für die Bundeswehr) nicht zuletzt dadurch erfolgt, dass so viele von Euch beim Prozess waren. Solidarität war sichtbar. Sie ist auch für ein Gericht in diesen Zeiten nicht ohne Bedeutung. Urteile werden nicht im luftleeren Raum gesprochen. Dank also noch einmal an Euch alle! (…)

Mit solidarischen Grüßen,
Günter Wangerin

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