Neue Abgasnormen als Chance nutzen – Fünf-Punkte-Vorschlag der IGM für den technologischen Wandel

„Selbstfahrende Elektrofahrzeuge könnten in zehn Jahren zum Stadtbild gehören und neue Zielgruppen für den öffentlichen Personennachverkehr erschließen“, stellt die F.A.S. vom 2.4.2017 fest. Dabei seien für den Einsatz sog. „People Mover“, selbstfahrende Kabinen für vier oder mehr Personen mit Elektroantrieb, weniger technische als administrative Hürden zu bewältigen. „Dazu gehören Haftungsfragen genauso wie die Feinheiten des Personenförderungsgesetzes“. Für eine übliche Durchschnittgeschwindigkeit in den Städten (Berlin: 25 km/h), dürften hingegen die Basistechnologien wie Lasersensoren oder künstliche Intelligenz, Anfang des kommenden Jahrzehnts serienreif sein. Möglich sei eine drastische Reduzierung der Verkehrsdichte, allerdings ließe sich der Verkehr zu Spitzenzeiten so nicht organisieren. Die richtige Mischung macht’s. Vor diesem Hintergrund ist es nicht unwichtig, wie sich die IG Metall zu den notwendigen Innovationen in der Automobilindustrie, auch mit Blick auf ihre Eigeninteressen, aufstellt. Dazu hat sie Ende letzten Jahres einen Fünf-Punkte-Vorschlag gemacht, mit dem sie den technologischen Wandel anschieben will und aus dem wir dokumentieren.

Thorsten Jannoff, Gelsenkirchen

… Die öffentliche Debatte rund um die Automobilindustrie hat in den letzten Monaten deutlich „Fahrt“ aufgenommen. Die zwei zentralen Themen dabei waren der Diesel-Skandal und seine Folgen auf der einen, die Förderung der E-Mobilität auf der anderen Seite. Daneben steht die Branche vor strukturellen Weichenstellungen im Kontext der gewollten „Dekarbonisierung des Verkehrs“, insbesondere einer drastischen Reduzierung von CO2, von Umweltgiften wie NOx und der Feinstaubbelastung. Hier werden aktuell sowohl in der europäischen Union wie in Berlin Programme, Verordnungen und Gesetze diskutiert, die weitreichende neue Vorschriften enthalten werden. Parallel hierzu besteht offenbar der politische Wille, den Hochlauf elektrischer Antriebe und der zugehörigen Infrastruktur zu fördern. Für uns als IG Metall hat die Automobil- und Zuliefererindustrie eine überragende Bedeutung. Das gilt für die schiere Beschäftigungswirkung und für unsere tarifpolitische Durchsetzungskraft genauso wie für unsere Mitgliederstärke. Deshalb ist es uns ein Anliegen, uns für die Zukunftsfähigkeit dieser Schlüsselbranche einzusetzen …

Der Plan

Dabei geht es um zwei Stoßrichtungen: Autos mit konventionellen Antrieben sollen umweltfreundlicher werden. Zugleich soll der Umstieg auf Autos mit alternativen Antrieben, also mit Batterie oder Brennstoffzelle, beschleunigt werden. Das ist der konkrete Plan, den die IG Metall zur Diskussion stellt:

• Die Autohersteller verpflichten sich, ab 2018 in allen Fahrzeugsegmenten auch Elektroautos anzubieten. Die Bundesregierung hat zwar durch die Kaufprämie und Förderung von Batterieladepunkten schon erste Pflöcke eingeschlagen. Aber das reicht nicht für die erforderliche Steigerung ab 2020. Schließlich will die Bundesregierung, dass ab 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen rollen. Zurzeit sind es schlappe 35 000. Es sind also weitere große Anstrengungen notwendig.

• Die Autobauer geben mehr Gas bei technischen Verbesserungen an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und verringern dadurch den Kohlendioxidausstoß pro Jahr um 1,5 Prozent. „Technisch machbar sind bis zu 20 Prozent. Sie sind aber nicht in vollem Umfang realisierbar, weil sie mit immensen Kosten verbunden wären“, sagt Frank Iwer, Autoexperte beim IG Metall-Vorstand. 1,5 Prozent hält er jedoch für realistisch.

• Die IG Metall hält strengere CO2-Grenzwerte für erforderlich, um die Erderwärmung zu stoppen und die Klimaschutzziele zu erreichen. Aber sie dürfen nicht am grünen Tisch beschlossen werden. Industrie, Gewerkschaften und Umweltverbände müssen beteiligt werden. Bevor neue Werte festgelegt werden, muss abgeklärt werden, wie sie sich auf die Arbeitsplätze auswirken.

• In der Übergangszeit zum klimaneutralen elektrischen Auto müssen Dieselantriebe unbedingt erhalten bleiben – weil sie klimafreundlicher als Benziner sind. Allerdings produzieren sie Stoffe, die gesundheitsschädlich sind: Feinstaub und Stickoxide. Darum fordert die IG Metall, dass in allen neuen Modellen die beste verfügbare Abgastechnologie eingesetzt wird.

Außerdem setzt sie sich für die blaue Plakette ein. Mit ihr wären Fahrten in innerstädtischen Umweltzonen nur noch mit Pkws erlaubt, die die Norm Euro 6 erfüllen, das heißt, die nicht mehr als 80 Milligramm Stickoxid und 4,5 Milligramm Feinstaub je Kilometer in die Luft blasen. Dabei muss es aber ausreichende Übergangsfristen für E-5-Fahrzeuge geben.

• Die Messverfahren bei Abgastests müssen besser werden, auch damit die Autoindustrie nach der Dieselaffäre wieder Vertrauen bei Autokäufern und -käuferinnen zurückgewinnt. Das weltweit einheitliche Testverfahren WLTP, das die Europäische Union ab 2017 einsetzen will, soll so schnell wie möglich eingeführt werden. Dasselbe gilt für RDE, ein Messverfahren, das Abgaswerte nicht auf dem Prüfstand, sondern im Realbetrieb misst.

Die IG Metall fordert aber auch, dass die Grenzwerte für Stickoxid und Feinstaub so festgelegt werden, dass die Autohersteller sie einhalten können.

https://www.igmetall.de/auto-und-klima-24270.htm.
Siehe dort auch weitere Materialien zum Thema:

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