Ost-West-Tunnel wäre eine Investition für das Auto, nicht für den ÖPNV

Der angedachte Tunnel zwischen Heumarkt und Neumarkt hätte kaum positive Effekte für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Der neuralgische Punkt für den ÖPNV ist der Neumarkt. Hier treffen eine Vielzahl an Bahn- und Buslinien aufeinander. Der geplante Tunnel hat hierauf aber keinen Einfluss, denn die Bahnen kämen noch vor dem Neumarkt an die Oberfläche. Auch eine relevante Erhöhung der Geschwindigkeit der Bahnen zwischen Heumarkt und Neumarkt würde es durch den kurzen Tunnel kaum geben.

Wozu wird dann also der Tunnel geplant? Er ist eine Investition für den Autoverkehr. Autos, die von der Nord-Süd-Fahrt auf die Cäcilienstraße abbiegen oder umgekehrt, müssen nicht mehr auf kreuzende Bahnen warten. Gelder, die der ÖPNV dringend braucht, sollen umgeleitet werden, um Autoverkehr in die Innenstadt besser fließen zu lassen.

Tunnelverbindungen sind teuer. Sie kosten das Vielfache einer oberirdischen Straßenbahn. Dieses Geld wäre an anderen Stellen besser investiert: Für eine Verbindung zwischen Mülheim und Kalk auf der Frankfurter Straße zum Beispiel, oder für den seit Jahrzehnten fehlenden Stadtbahnanschluss für Neubrück.

Am Neumarkt ist Die Linke für eine oberirdische Lösung. Der Bahn muss Vorrang eingeräumt werden, und Flächen, die heute für den Autoverkehr reserviert sind, müssen der KVB, den Radler/innen und den Fußgängern zugeschlagen werden.

Um den ÖPNV in der Innenstadt nachhaltig zu entspannen, brauchen wir zum einen eine Erhöhung der Kapazitäten. Die Diskussion hierüber, z.B über Dreifachtraktionen (also drei statt zwei Waggons pro Bahn) ist im Gange. Zum anderen müssen wir aber auch dafür sorgen, dass niemand überflüssigerweise über die Innenstadt fahren muss. Die zentralisierte Struktur des Kölner Stadtbahnnetzes erzwingt in vielen Fällen, dass jemand aus äußeren Vierteln erst einmal in die Innenstadt fährt, um auf einer anderen Linie wieder aus der Stadt heraus zum eigentlichen Ziel zu kommen.

Schnellbuslinien könnten da Abhilfe schaffen: Eine Schnellbuslinie entlang der Inneren Kanalstraße, von der Universität über Neuehrenfeld, Sechzigviertel bis nach Riehl mit Anschluss des Deutzer Bahnhofs über die Zoobrücke würde viele Fahrten durch die Innenstadt überflüssig machen und die Umsteigepunkte Neumarkt, Hauptbahnhof, Rudolfplatz und Friesenplatz entlasten. Um eine solche Linie zu einer möglichst attraktiven Alternative zum Auto zu machen, sollte sie im fünf-Minuten-Takt fahren und auf einer eigenen Busspur am Berufsverkehr vorbeifahren. Die Kosten für diese Linie wären vergleichsweise niedrig, Planung und Umsetzung wären schnell zu machen, die Entlastung der Innenstadt wäre immens.

Ein Tunnelbau hat dagegen eine lange Umsetzungszeit. Auch ein so kurzer Tunnel zwischen Heumarkt und Neumarkt wäre selbst im optimistischsten Fall nicht vor 2025 fertiggestellt.

Michael Weisenstein, Köln

Beiträge aus: Platzjabbeck, Nr. 3 2017, http://www.linksfraktion-koeln.de/

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