Türkei: Über 50 Tage Hungerstreik für menschenwürdige Haftbedingungen

Seit dem 15. Februar befinden sich in mindestens zwölf türkischen Gefängnissen mehr als hundert politische Gefangene der PKK im Hungerstreik und setzen ihr Leben gegen unmenschliche Haftbedingungen, die anhaltenden Militäraktionen und Verhaftungen sowie für den Erhalt demokratischer Strukturen in der Türkei ein. Darunter sind auch 17 Frauen. Sie fordern die Verbesserung der Haftbedingungen, die Beendigung der anhaltenden Festnahmen und Verhaftungen aufgrund von Meinungsäußerungen und politischer Arbeit, die Beendigung der militärischen und politischen Repression gegen die Bevölkerung sowie die Beendigung der Isolationshaft von Abdullah Öcalan. Der Hungerstreik begann im Gefängnis von Sakran (bei Izmir).

Angehörige und der Menschenrechtsverein IHD beschreiben die Zustände in der Haftanstalt:

Überfüllte Zellen ohne ausreichend Betten. In einer Zehn-Personen Zelle befinden sich 15 bis 20 Gefangene. Bei den Appellen muss strammgestanden werden und die Gefangenen müssen ein Schild mit „Terrorist“ tragen. Aus nichtigen Anlässen werden die Gefangenen gezwungen, sich zu entkleiden und werden geschlagen. In der Kinderzelle wurden im Januar sechs Kinder gefoltert. Medizinische Hilfe wird – wenn überhaupt – zu spät gewährt. Während des Arztbesuches werden die Gefangenen gefesselt. Das Recht, dass Familien, die weit entfernt wohnen, eine Besuchszeit von zwei bis drei Stunden haben, ist gestrichen worden.

Nachdem keine Reaktion von den Behörden auf die Forderungen der Gefangenen kam, beteiligen sich die inhaftierten HDP-Abgeordneten Ayhan Bilgen, Meral Danış Beştaş und Nihat Akdoğan am Hungerstreik. Ebenso traten der HDP-Vorsitzende und Abgeordneten Selahattin Dermitas und der Abgeordnete Abdullah Zedan im Gefängnis Edirne in den Hungerstreik. Dort reagierte dann die Gefängnisleitung und mit gegenseitigen Übereinkünften wurde in Edirne der Hungerstreik nach 38 Tagen beendet. Die Angehörigen, IHD, TIHV, Humans Rights Watch, Anwaltsvereinigungen, HDP und der Kurdische Nationalkongress rufen auf, sich dem Widerstand der politischen Gefangenen zuzuwenden – bevor es zu spät ist. Die Gefangenen setzen ihr Leben für die Demokratie und Menschenrechte in der Türkei ein, sie haben nur dieses eine!

Rudolf Bürgel, Karlsruhe

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